Doch wo und wie "leben" die Millionen von Schweine in Deutschland? Wo sind sie?
Kaum ein Verbraucher bekommt die Tiere lebend zu sehen. Und das aus gutem Grund: Sie leben bis auf einige wenige Ausnahmen in großen Mast- und Zuchtanlagen (tlw. mit bis zu 10.000 Tieren) – ohne Sonnenlicht, ohne die Möglichkeit ihre Bedürfnisse auszuleben, auf Spaltenböden ein beschäftigungsloses Leben über ihren eigenen Exkrementen.
Zuchtschweine führen ein Dasein jenseits unserer Vorstellungskraft. Einen Großteil ihres Lebens verbringen sie in Kastenständen: Metallgitterkonstruktionen, in die sie kaum hineinpassen und welche ihnen nicht mehr Bewegungsspielraum geben als Stehen oder Liegen - Umdrehen oder einen Schritt vor und zurück gehen ist nicht möglich.
Die Zuchtsauen werden künstlich besamt, um zweimal jährlich nach einer Tragezeit von ca 4 Monaten einen Wurf von mindestens 10 abgesetzten Ferkeln zu produzieren. Spätestens nach 5 bis 6 Jahren ist das Leben einer Zuchtsau vorbei – und sie landet als „unproduktiv“ im Schlachthof. Unter normalen Umständen hätte ein Schwein eine Lebenserwartung von 15 Jahren, ähnlich der eines Hundes. Auch zur Geburt ihrer Ferkel sind die Schweine in Metallkonstruktionen fixiert. In freier Natur bauen Schweine vor der Geburt ihrer Ferkel Nester, die Ferkel werden nach der Geburt liebevoll versorgt. In ihrer Gefangenschaft stehen und liegen sie in „Abferkelbuchten“ auf blankem Boden und Kotrosten, die Schweinemütter können sich weder umdrehen(!) noch einen Schritt tun. Die „Ferkelschutzkörbe“ verhindern jeden normalen Kontakt zwischen Müttern und Kindern, sollen bewirken, dass die Sauen in der Enge ihre Ferkel nicht totliegen.
Die Ferkel suchen die Nähe ihrer Mutter, aber durch ihr Eingesperrtsein im Metallgitter kann sie nicht ausweichen: einzelne Ferkel werden von ihren Müttern erdrückt. Einige Ferkel sterben schon kurz nach ihrer Geburt. Wer lebt, leidet: schon in den ersten Lebenstagen erwartet die Ferkel eine wahre Tortur: Impfen, Ohrmarken eintackern, Zähne abschleifen, Schwänze abschneiden, kastrieren. Selbst das schmerzhafte Abschneiden der Ringelschwänze und die Kastration der männlichen Ferkel geschieht meist ohne Betäubung, ganz legal bis zum Alter von zwei Wochen. Durchgeführt werden die Verstümmelungen der Ferkel nicht von Tierärzten, sondern vom billigeren „Ferkelproduktionspersonal“.
Drei bis vier Wochen nach der Geburt werden die kleinen Ferkel von ihren Müttern getrennt. In einem Alter, wo sie normal noch lange von ihrer Mutter abhängig wären, bedeutet das für die Ferkel enormen Stress. Ihr Leben spielt sich von nun an ihn Schweinebuchten unter Kunstlicht ab, ohne Einstreu, ohne Beschäftigung.Die intelligenten Schweine wollen erkunden, toben, lernen, wühlen, suhlen, kauen – doch außer sich selbst, ihren Artgenossen und dem Futter gibt es nichts....
Beschäftigungsmaterial in Form von „beweglichen Gegenständen“ ist nach der Schweinehaltungsverordnung vorgeschrieben. In der Realität findet sich pro Schweinebucht mal ein „Spielball“ – der bei jeder Bewegung durch die Exkremente der Tiere rollt - oder ein alter Holzbalken oder eine Metallkette. Die unter Stress stehenden Schweine neigen zum Kannibalismus, fressen sich nicht selten aus Langeweile gegenseitig an. Ohren und die Reste der abgeschnittenen Schwänze ihrer Artgenossen dienen als „Beschäftigungsmaterial“.
In der Schweinemast führt die Haltung in großen Gruppen zusammen mit fremden Schweinen zu Rangkämpfen und Beißereien und der Verbreitung verschiedenster Krankheitserreger. Die Zahl der Tiere, die Bissverletzungen haben und die Erkrankungen nehmen zu. Einem Mastschwein mit einem Gewicht von 50 Kilo steht gesetzlich ein Platz von gerade einmal 0,5 Quadratmetern zu – so viel Platz, wie ein ausgewachsener Rottweiler in einem Kaninchenkäfig hätte. Unerträgliche Enge, ein Leben über und in dem eigenen Kot auf Betonspaltenböden, das ist das Leben des Schweins...
Durch das ständige Ausrutschen auf den glitschigen Betonspalten haben viele Tiere Fuß- und Beinverletzungen. Sie können nur unter Schmerzen laufen, humpeln, lahmen, haben manchmal Ballgroße eitrige Abszesse. Selbst kleine Verletzungen werden aufgrund von Besiedelung mit verschiedensten Erregern und dem permanenten Kontakt offener Wunden mit Kot und Gülle zum oftmals tödlichen Problem. Viele Mastschweine leiden dazu unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenerkrankungen. Durch das schlechte Stallklima und das Leben über der eigenen Gülle: der ausdünstende Ammoniak schädigt ihr Lungengewebe, Krankheitserreger haben ein leichtes Spiel.
Die hygienischen Bedingungen in der Schweinehaltung sind „unter aller Sau“: trockene, saubere Liegeplätze gibt es nicht, auch zugekotete Futterrinnen sind keine Seltenheit. Viele Schweine überleben die Dauer der Mast nicht. Nicht selten liegen tote Schweine über längere Zeiten zwischen den lebenden Artgenossen: ihre toten Körper dienen als „Beschäftigungsmaterial“, werden bekaut und mit den Rüsseln durch die Buchten geschoben.
In einem Alter von ca. 6 Monaten haben die jungen Schweine, die die Mast überlebt haben, ihr „Schlachtgewicht“ von etwa 110 Kilo erreicht – nicht einmal die Hälfte des Gewichtes eines erwachsenen Schweins. Die Schweine werden aus ihren Mastbuchten getrieben, auf LKWs verladen und zum Schlachthof transportiert. Ein letzter Weg in erdrückendem Gedränge, Stress, Hitze, Kälte, die Tiere beißen und treten sich, haben in der Enge kaum eine Möglichkeit, an Trinkwasser zu kommen. Sofern es überhaupt welches gibt.
Abgeladen in den Wartebereichen der Schlachthöfe haben die Tiere ihren eigenen Tod vor Augen, riechen das Blut und hören die letzten panischen Schreie ihrer Artgenossen.
Bevor sie selbst zur Schlachtung getrieben und mit Strom oder Gas betäubt werden, ihre Halsschlagader aufgeschnitten wird, sie ausbluten und im Brühbad landen. Durch die Akkordarbeit in den Schlachthöfen, oftmals von Billiglöhnern unter enormem Zeitdruck ausgeführt, ist es an der Tagesordnung, dass Schweine vor ihrer Schlachtung nur unzureichend betäubt werden und ihren Tod und ihre beginnende Zerlegung bei vollem Bewusstsein erleben. Dem Schnitzel in der Kühltheke sehen wir nicht an, wie das "Leben" des Schweins zu Ende ging.....











so unendlich traurig!
AntwortenLöschenDas Foto mit dem einzelnen Schwein mit seinen ganzen Bissverletzungen und blutigen Striemen kann ich kaum ertragen.
Was tut der Mensch bloß diesen intelligenten Tieren an und wofür?
Ich kann es nicht begreifen, mein Tag ist schon wieder gelaufen!
Miriam
Mit Tränen der Wut und der Trauer verlinkt auf http://world-of-pd.blogspot.com/2011/12/noch-mal-schwein-gehabt.html
AntwortenLöschenmir fehlen die Worte....
AntwortenLöschenIch frage mich, wer angesichts dieser grausamen Tatsachen noch Fleisch (Tierleichenteile)essen kann
AntwortenLöschenGruß Sebastian
:`(
AntwortenLöschenDas frag ich mich auch ständig..solche traurigen Fotos müssten doch wirklich jeden Mensch erweichen..nur leider sind die meisten Menschen schlicht weg zu egoistisch oder rücksichtslos um auf Fleich etc. zu verzichten...traurig aber wahr!
AntwortenLöschendie meisten Menschen können sich solche Bilder gar nicht anschauen; und wenn, dann reden sie sie schön:das wäre nur die Ausnahme, ich ess nur bio (wenn sie wüssten, dass es dort ähnlich zugeht.....), ich ess gaaaanz wenig Schweinefleisch, lieber Pute (haha, Puten ergeht es fast noch schlimmer)usw. Anstatt mal konsequent zu sein und zu sagen: halt stopp, hier läuft was falsch! Aber nein, wie Milla schon schreibt: egoistisch und rücksichtslos....
AntwortenLöschenTraurige Grüße
A v. G
Habe den Artikel mal eben bei Twitter weitergegeben. Immer wieder erschreckend... und diese hohen Zahlen sind für mich kaum greifbar, kaum vorstellbar. :(
AntwortenLöschenDas Schlimme ist doch, dass Deutschland Schlachtrekorde feiert, wobei der Fleischkonsum immerhin leicht zurückgeht. http://www.agrarheute.com/ami-fleischkonsum070510
AntwortenLöschenDer ganze Kram wird einfach exportiert. Halleluhja!
Dieses ignorante Deutschland. Wann werden es die Menschen endlich einsehen, dass der billige Fleischkonsum seinen Preis hat und das auf Kosten derer, die sich nicht wehren können. In den USA gab es vor kurzem schon wieder einen Skandal in einen Mastbetrieb, in den die Schweine schamlos gequält worden sind, was für großes entsetzen im Land sorgte, doch der Großteil der Bevölkerung isst weiterhin seine Fleischprodukte ohne Rücksicht auf die Haltung und den Umgang der Tiere.
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